Kiddy Kindersitze

Kiddy-Kindersitze: Was ist aus der Marke geworden?

Kiddy gehörte viele Jahre zu den bekannten deutschen Herstellern von Babyschalen und Autokindersitzen. Zahlreiche Modelle erzielten gute Ergebnisse bei ADAC, Stiftung Warentest und ÖAMTC. Nach der Insolvenz des damaligen Unternehmens im Jahr 2019 verschwand die Marke zunächst weitgehend vom deutschen Markt. Inzwischen ist wieder eine mehrsprachige Kiddy-Website erreichbar. Ein vollständig erneuertes Kindersitzsortiment nach UN R129 gibt es dort jedoch nicht.

Kiddy-Kindersitze im Test
Kiddy wurde vor allem durch Babyschalen mit Liegefunktion und mitwachsende Kindersitze mit Fangkörper bekannt. Die abgebildeten Modelle gehören überwiegend zu früheren Produktgenerationen. Fotos: Hersteller

Auf der offiziellen Markenwebsite werden derzeit Evoluna i-Size 2, Evolution Pro 2, Guardianfix 3, Cruiserfix 3 und Isofix Base 2 vorgestellt. Dabei handelt es sich nicht um eine neue Modellgeneration. Bis auf die nach UN R129 zugelassene Evoluna i-Size 2 basieren diese Sitze auf der älteren Norm UN ECE R44.

Für Verbraucher in Deutschland und der Europäischen Union ist diese Unterscheidung wichtig: Seit September 2024 dürfen Kindersitze nach R44 grundsätzlich nicht mehr als Neuware verkauft werden. Bereits vorhandene Sitze mit einer gültigen R44/03- oder R44/04-Zulassung dürfen weiterhin benutzt werden.

Kindersitzpflicht und UN R129

In Deutschland benötigen Kinder einen geeigneten Kindersitz, solange sie jünger als zwölf Jahre und kleiner als 150 cm sind. Sobald eine der beiden Grenzen erreicht ist, endet die gesetzliche Kindersitzpflicht. Ein Kind sollte dennoch erst ohne Kindersitz fahren, wenn der Fahrzeuggurt richtig über Becken und Schulter verläuft.

Aktuelle Kindersitze werden nach UN R129 zugelassen. Die Auswahl erfolgt hauptsächlich anhand der Körpergröße. Zusätzlich kann der Hersteller ein Höchstgewicht festlegen. Die Norm schreibt unter anderem einen Seitenaufpralltest vor. Kinder müssen in einem R129-Sitz mindestens bis zum Alter von 15 Monaten rückwärtsgerichtet transportiert werden.

Die ältere UN-ECE-R44-Norm ordnete Kindersitze in Gewichtsgruppen ein. Kiddy Guardianfix, Phoenixfix, Cruiserfix und Evolution Pro 2 gehören zu diesen älteren Generationen. Solche Sitze dürfen bei gültiger R44/03- oder R44/04-Zulassung weiterverwendet, aber nicht mehr regulär als neue Kindersitze in Verkehr gebracht werden.

Gibt es aktuelle Kiddy-Kindersitze?

Derzeit ist kein umfassendes neues Kiddy-Sortiment erkennbar, das die verschiedenen Wachstumsphasen nach UN R129 abdeckt. Die Markenwebsite zeigt zwar mehrere bekannte Modelle, doch die meisten stammen aus der Zeit vor der Insolvenz und wurden nach R44 zugelassen.

Als R129-Modell wird die Kiddy Evoluna i-Size 2 aufgeführt. Sie ist jedoch ebenfalls keine neue Entwicklung des Jahres 2026, sondern eine bereits früher angebotene Babyschale. Neue Reboarder für Kleinkinder oder Folgesitze für 100 bis 150 cm nach dem heutigen R129-Standard werden auf der Kiddy-Website derzeit nicht präsentiert.

Auch wenn eine deutschsprachige Website, ein Kundendienst und Garantiehinweise vorhanden sind, sollten Käufer die tatsächliche Verfügbarkeit, den verantwortlichen Händler, die Gewährleistung und die Ersatzteilversorgung vor einer Bestellung prüfen. Eine Markenwebsite allein bestätigt nicht, dass jedes dort gezeigte Modell in Deutschland noch regulär als Neuware angeboten werden darf.

Kiddy Evoluna i-Size 2

Die Kiddy Evoluna i-Size 2 ist eine rückwärtsgerichtete Babyschale nach UN R129. Sie ist für Babys von 45 bis 83 cm und bis zu einem Gewicht von 13 kg vorgesehen. Das entspricht ungefähr dem Zeitraum von der Geburt bis zum Alter von 15 Monaten. Für besonders kleine Neugeborene beginnt der Zulassungsbereich allerdings erst bei 45 cm.

Eine Besonderheit ist die flache Liegeposition, die in Verbindung mit der vorgesehenen Isofix Base 2 auch während der Autofahrt genutzt werden kann. Dazu besitzt die Babyschale eine verstellbare Liegefläche mit einem belüfteten, lattenrostähnlichen Aufbau.

Die Liegeposition kann den Komfort des Babys verbessern und einer ungünstigen, stark gekrümmten Haltung entgegenwirken. Sie macht die Babyschale dennoch nicht zu einem dauerhaften Schlafplatz. Auch in einer flacher einstellbaren Babyschale sollte ein Baby nur so lange wie notwendig bleiben.

Die Evoluna i-Size 2 wird mit der dafür vorgesehenen Isofix Base 2 rückwärtsgerichtet eingebaut. Ein Stützfuß stabilisiert das System. Kontrollanzeigen helfen dabei, eine fehlerhafte Installation zu erkennen. Vor dem Kauf müssen die Fahrzeugfreigabe und die Platzverhältnisse auf der Rückbank geprüft werden, da die Liegeposition vergleichsweise viel Raum beansprucht.

Die Babyschale lässt sich nur mit ausdrücklich freigegebenen Adaptern auf einem Kinderwagen befestigen. Frühere Kompatibilitätsangaben zu Kinderwagen von Bugaboo, Joolz, Britax Römer oder anderen Herstellern können inzwischen überholt sein. Entscheidend ist immer die konkrete Kombination aus Kinderwagenmodell, Adapter und Babyschale.

Kiddy Isofix Base 2

Die Kiddy Isofix Base 2 wurde für Evoluna i-Size 2 und Evolution Pro 2 entwickelt. Die Basis wird mit den ISOFIX-Verankerungen des Fahrzeugs und einem Stützfuß eingebaut.

Dass die Basis als „i-Size“ bezeichnet wird, überträgt sich nicht automatisch auf jede damit verwendbare Babyschale. Die Evoluna i-Size 2 besitzt eine R129-Zulassung, während die Evolution Pro 2 nach der älteren R44-Norm zugelassen wurde.

Beim Gebrauchtkauf müssen Base und Babyschale als vollständiges und ausdrücklich kompatibles System geprüft werden. Eine ältere Kiddy-Basis oder eine Basis eines anderen Herstellers darf nicht verwendet werden.

Kiddy-Kindersitze im Test

Viele frühere Kiddy-Kindersitze wurden von ADAC, Stiftung Warentest und ÖAMTC mit „gut“ bewertet. Zu den bekannten Modellen gehören Evoluna i-Size 2, Evolution Pro 2, Phoenixfix 3, Guardianfix 3 und Cruiserfix 3.

Diese Ergebnisse sind weiterhin für die jeweils geprüfte Modellversion interessant. Sie dürfen jedoch nicht auf andere Kiddy-Sitze oder eine mögliche spätere Neuauflage übertragen werden. Auch unterscheiden sich heutige Kindersitztests von den Prüfverfahren früherer Jahre. Die Anforderungen wurden mehrfach verändert und erweitert.

Ein historisch gutes Testergebnis macht einen lange gelagerten oder gebrauchten Kindersitz nicht automatisch zu einer empfehlenswerten Anschaffung. Alter, Zustand, Unfallfreiheit, Vollständigkeit und verbleibende Nutzungsdauer müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Typische Kiddy-Technologien

Kiddy entwickelte im Laufe seiner Firmengeschichte verschiedene eigene Sicherheits- und Komfortlösungen. Dazu gehörten unter anderem:

  • Kiddy-Fangkörper: Ein vor dem Oberkörper liegendes Rückhalteelement, das mit dem Fahrzeuggurt gesichert wurde.
  • K-fix und K-fix+: herstellereigene Konnektoren zur Verbindung des Kindersitzes mit den ISOFIX-Verankerungen des Fahrzeugs.
  • Kiddy Shock Absorber: ein Bauteil zur kontrollierten Aufnahme beziehungsweise Führung von Belastungen des Fahrzeuggurts.
  • Honey Comb 2: energieabsorbierende Strukturen im Seiten- und Schulterbereich.
  • Lie-Flat-Technik: eine flachere Liegeposition bei ausgewählten Babyschalen.

Diese Produktnamen sind keine eigenständigen Zulassungen. Entscheidend bleiben die Norm auf dem Prüfsiegel und die korrekte Verwendung des kompletten Kindersitzes.

Gebrauchten Kiddy-Kindersitz kaufen?

Kiddy-Kindersitze werden heute häufig gebraucht angeboten. Aufgrund des Alters vieler Modelle ist dabei besondere Vorsicht erforderlich. Ein Sitz sollte nur aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammen und eine vollständig bekannte Vorgeschichte besitzen.

  • Zulassungsetikett, Modellname und Seriennummer müssen lesbar sein.
  • Der Sitz muss nachweislich unfallfrei sein.
  • Schale, Fangkörper, Gurte, Gurtführungen und Konnektoren dürfen nicht beschädigt sein.
  • Alle Einlagen, Polster, Originalteile und die passende Basis müssen vollständig sein.
  • Es dürfen keine eigenmächtigen Reparaturen oder nicht freigegebenen Ersatzteile vorhanden sein.
  • Die Bedienungsanleitung muss verfügbar sein.
  • Die vom Hersteller vorgesehene Nutzungsdauer darf nicht überschritten sein.
  • Rückrufe und Sicherheitshinweise müssen geprüft werden.

Bei Kiddy kommt hinzu, dass Ersatzteile und modellspezifische Komponenten möglicherweise nicht überall kurzfristig verfügbar sind. Fehlende Fangkörper, Einlagen oder Polster dürfen nicht durch Teile anderer Modelle ersetzt werden.

Ein vermeintlich unbenutzter Restposten kann viele Jahre gelagert worden sein. Auch Kunststoffe, Schaumstoffe und Gurte altern. Das Herstellungsdatum und die vorgesehene Nutzungsdauer sind deshalb genauso wichtig wie der äußerlich erkennbare Zustand.

Ausgelaufene Kiddy-Kindersitze

Die folgenden Modelle gehören zu früheren Kiddy-Generationen. Die meisten wurden nach UN ECE R44 zugelassen und dürfen in der Europäischen Union nicht mehr regulär als Neuware verkauft werden. Bei gültiger R44/03- oder R44/04-Zulassung dürfen vorhandene Sitze weiterhin benutzt werden.

Kiddy Guardianfix 3

Der Kiddy Guardianfix 3 ist ein älterer, vorwärtsgerichteter R44-Kindersitz für 9 bis 36 kg. In der ersten Nutzungsphase wurde das Kind mit einem Fangkörper und dem Dreipunktgurt des Fahrzeugs gesichert. Später kam der Sitz ohne Fangkörper als Folgesitz zum Einsatz.

Die Kopfstütze ließ sich in mehreren Stufen verstellen. Mit zunehmender Höhe verbreiterte sich auch der Schulterbereich. K-fix+-Konnektoren verbanden den Sitz zusätzlich mit den ISOFIX-Verankerungen. Die frühere Flugzeugfreigabe darf nur dann berücksichtigt werden, wenn das konkrete Modell entsprechend gekennzeichnet ist und die Fluggesellschaft der Verwendung zustimmt.

Kiddy Guardianfix Pro 2

Der Guardianfix Pro 2 war ebenfalls ein vorwärtsgerichteter R44-Sitz für 9 bis 36 kg. Bis 18 kg wurde ein Fangkörper verwendet. Danach wurde das Kind direkt mit dem Dreipunktgurt angeschnallt.

Der Guardianfix Pro 2 erzielte in früheren Tests gute Ergebnisse. Bei heutigen Gebrauchtangeboten ist jedoch zu berücksichtigen, dass das Modell inzwischen deutlich älter ist und nicht nach der aktuellen R129-Norm zugelassen wurde.

Kiddy Phoenixfix 3 und Phoenixfix Pro 2

Der Kiddy Phoenixfix 3 war ein vorwärtsgerichteter Fangkörpersitz der R44-Gruppe 1 für Kinder von 9 bis 18 kg. Er wurde mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeugs und abhängig von der Ausführung zusätzlich mit ISOFIX-Konnektoren befestigt.

Anders als im früheren Artikel beschrieben, war der Phoenixfix 3 kein Sitz der Gruppen 1/2 und durfte nach dem Erreichen von 18 kg nicht einfach ohne Fangkörper weiterverwendet werden. Für größere Kinder war ein separater Folgesitz erforderlich.

Phoenixfix 3 und Phoenixfix Pro 2 erzielten in früheren Vergleichstests gute Ergebnisse. Diese Bewertungen gelten nur für die damals getestete Ausführung und das jeweilige Testverfahren.

Kiddy Cruiserfix 3 und Cruiserfix Pro

Der Kiddy Cruiserfix 3 war ein vorwärtsgerichteter R44-Folgesitz für 15 bis 36 kg. Das Kind wurde mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeugs gesichert. K-fix+-Konnektoren stabilisierten den Sitz zusätzlich an den ISOFIX-Verankerungen.

Höhe, Breite und Sitztiefe ließen sich an das wachsende Kind anpassen. Der Cruiserfix Pro gehört zu einer noch früheren Generation. Beide Sitze werden auf der aktuellen Markenwebsite zwar weiterhin erwähnt, erfüllen aber nicht die heutige Voraussetzung für den regulären Neuverkauf in der Europäischen Union.

Kiddy Evolution Pro 2

Die Kiddy Evolution Pro 2 war eine rückwärtsgerichtete Babyschale der R44-Gruppe 0+ für Babys bis 13 kg. Sie konnte mit dem Fahrzeuggurt oder mit der Kiddy Isofix Base 2 befestigt werden.

Außerhalb des Fahrzeugs ließ sich eine flachere Liegeposition einstellen. Ob und wie diese Position während der Fahrt verwendet werden durfte, unterscheidet die Evolution Pro 2 von der nach R129 zugelassenen Evoluna i-Size 2. Beide Modelle dürfen deshalb nicht verwechselt werden.

Weitere frühere Kiddy-Modelle

  • Kiddy Guardianfix Pro und Guardian Pro
  • Kiddy Guardian Pro 2
  • Kiddy Phoenixfix Pro
  • Kiddy Energy Pro
  • Kiddy Smartfix
  • Kiddy Discovery Pro
  • Kiddy Comfort Pro
  • Kiddy Evolution Pro

Diese Modelle sind heute nur noch für Bestandsnutzer und den Gebrauchtmarkt relevant. Vor einer weiteren Nutzung müssen Zulassung, Zustand, Herstellungsdatum, Vollständigkeit und Unfallfreiheit sorgfältig geprüft werden.

Fazit zu Kiddy-Kindersitzen

Kiddy hat eine bedeutende Rolle in der Entwicklung von Fangkörpersitzen, mitwachsenden Folgesitzen und Babyschalen mit Liegefunktion gespielt. Viele frühere Modelle erreichten gute Ergebnisse in unabhängigen Kindersitztests.

Für einen heutigen Neukauf ist das Angebot jedoch stark eingeschränkt. Die Markenwebsite zeigt überwiegend ältere R44-Produkte. Als R129-Sitz wird die Evoluna i-Size 2 aufgeführt, bei der es sich ebenfalls um eine bereits seit mehreren Jahren bekannte Babyschale handelt. Ein neues vollständiges Kiddy-Sortiment aus Babyschale, Reboarder und Folgesitz nach UN R129 ist derzeit nicht erkennbar.

Wer bereits einen Kiddy-Sitz besitzt, darf ein Modell mit gültiger R44/03-, R44/04- oder R129-Zulassung grundsätzlich weiterverwenden. Voraussetzung sind ein einwandfreier Zustand, vollständige Ausstattung, bekannte Unfallfreiheit und die korrekte Eignung für Kind und Fahrzeug.

Bei einem Neukauf empfiehlt es sich, auch aktuelle R129-Modelle anderer etablierter Hersteller zu vergleichen. Dort ist die Auswahl größer, die Ersatzteilversorgung häufig einfacher und die langfristige Unterstützung der aktuellen Produktgeneration besser absehbar.

Rainer Hoppe

Rainer Hoppe

Produkttester
Über den Autor: Rainer Hoppe ist ein kritischer und professioneller Produkttester. Er hat bereits über 400 Produkte getestet und umfangreiche Testberichte erstellt. Aktuell leitet Rainer unsere Kindersitz Test Reihe. Rainer, Anfang 30, ist ein begeisteter Technik und Computer-Fan, Freizeit-Mountain-Biker sowie ein stolzer und rührender Vater einer kleinen Tochter.
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